Du willst dein Manuskript so gut wie möglich vorbereiten?
Und im besten Fall Zeit, Korrekturschleifen und bares Geld sparen?
Dann denk bereits beim Schreiben an Typografie.
(Keine Angst, die gängigen Tastenkombis, die du gleich kennenlernen wirst, lassen sich easy in deinen 10-Finger-Schreibflow integrieren.)
Einige dieser Standards gehören einfach bereits ins Manuskript – nicht erst in den Buchsatz.
Also: Let’s gooo!
Gute Typografie beginnt nicht erst beim Buchsatz
Wenn ich ein Manuskript erhalte, sehe ich meist innerhalb weniger Sekunden, ob sich der Autor oder die Autorin Gedanken über die typografische Qualität des Textes gemacht hat.
Und nein, ich meine damit nicht die Schriftart, Seitenränder oder hübsche Überschriften.
Ich meine die kleinen Dinge – die man oft nicht sofort sieht.
- Ich meine Gedankenstriche – statt Bindestriche.
- „Typografische Anführungszeichen“ statt Zollzeichen.
- Geschützte Leerzeichen.
- Und einheitliche Schreibweisen (wie entweder „so dass“ oder „sodass“).
Diese kleinen Dinge (die kumuliert gar nicht mehr so klein sind) machen aus einem Manuskript zwar noch lange kein fertig gesetztes Buch – aber sie zeigen, dass hier jemand bereits einen Schritt weiter gedacht hat.
(Sonst muss halt der Korrektor oder spätestens der Buchsetzer diese Dinge übernehmen – natürlich bezahlt.)
Falls dein Manuskript übrigens schon beendet, aber noch nicht für den Buchsatz vorbereitet ist, lies zuerst meinen Artikel „Wie du dein Manuskript buchsatz-ready machst“.
Dort geht es ausführlich um die formale Vorbereitung.
Dieser Beitrag baut darauf auf und zeigt dir die typografischen Standards, die du bereits während des Schreibens beachten kannst.
Was gehört überhaupt ins Manuskript – und was nicht?
Eine weitverbreitete Fehlannahme lautet:
„Ich muss mein Manuskript exakt so gestalten, wie das fertige Buch aussehen soll.“
Nun.
Natürlich spart jede Einstellung in Word, die in ein Buchsatzprogramm exportiert werden kann, Zeit und Missverständnisse.
Aber.
Kein Autor muss auch Buchsatz verstehen und damit einschätzen können, was davon wirklich relevant ist.
Eine komplett automatisierte Platzierung beim Export ist ohnehin utopisch.
Und: Word ist kein Satzprogramm – „kann“ also viele Sachen gar nicht, womit sich der Buchsetzer hingegen spielt.
Was jedoch sehr wohl ins Manuskript gehört, sind typografische Standards.
Denn die sorgen dafür, dass dein Text konsistent ist, eindeutiger und mit deutlicher weniger Fehlern importiert werden kann, leichter verarbeitet werden kann und letztendlich deutlich professioneller wirkt.
Die wichtigsten SOLL-Regeln
Hier sind 3 Zeichen, an denen ich innerhalb von 30 Sekunden erkenne, wie professionell ein Manuskript vorbereitet wurde:
- korrekte Gedankenstriche
- konsistente Anführungszeichen
- geschützte Leerzeichen
Und das waren nur drei der Standards, die ich jedem Selfpublisher von Herzen empfehle:
✓ Anführungszeichen konsequent und einheitlich verwenden
Bitte keine „geraden Anführungszeichen“ – das sind Zollzeichen.
Korrekte deutsche Anführungszeichen beginnen unten (sehen aus wie 99) und enden oben (sehen aus wie 66): „So ist es richtig.“
Das Gleiche gilt auch für innere Anführungszeichen.
Falls du viele Dialoge hast, kannst du auch umgekehrte französische Anführungszeichen verwenden: »Zum Beispiel so!«
Word kann das via AutoKorrektur automatisch umsetzen.
Die Tastenkombis sind jedoch auch schnell und intuitiv in dein 10-Finger-Schreibsystem integrierbar.
(Schau dazu weiter unten in meinen Tastenkombi-Spickzettel.)
✓ Gedankenstriche statt Bindestriche setzen
Ein Gedankenstrich ist länger als ein Bindestrich.
Und: Vor ihm steht i. d. R. ein geschütztes Leerzeichen, nach ihm ein weiteres Leerzeichen.
PS: Gedankenstriche stehen auch bei
- Bis-Angaben (3–4 Personen)
- Währungen (7,– €)
- als Minus-Zeichen (–3 °C )
✓ Abkürzungen zusammenhalten
Abkürzungen wie diese dürfen niemals getrennt werden:
- z. B.
- d. h.
- u. a.
- i. d. R.
- o. Ä.
Verwende also zwischen den Bestandteilen ein geschütztes Leerzeichen.
Geschützte Leerzeichen werden mittlerweile von allen (mir bekannten) Satzprogrammen übernommen.
✓ Zahlen und Einheiten nicht trennen
Auch Kombinationen wie diese gehören unbedingt zusammen:
- 10 km
- 25 %
- 37 °C
- 250 €
- 14 Uhr
Weswegen zwischen Zahl und Einheit ebenfalls ein geschütztes Leerzeichen stehen muss.
✓ Titel, Namen, Orte etc. zusammenhalten
Auch Ausdrücke wie diese sollten nicht über zwei Zeilen getrennt werden:
- Dr. Müller
- New York
- Sandra Huber
- J. R. R. Tolkien
✓ Typografische Auslassungspunkte aka den Dreipunkt verwenden
Nope. Drei Punkte hintereinander zu setzen, ist nicht korrekt.
Plus: Vor jedem Dreipunkt muss ein geschütztes Leerzeichen stehen.
Das sieht nicht nur schöner aus, sondern ist auch nur so typografisch richtig.
(Vergleich mal in Word drei Punkte … mit dem Dreipunkt …)
Bitte versuch NICHT, dein Buch in Word selbst zu setzen
Das sehe ich leider regelmäßig.
Und muss dann im Manuskript rigoros alles bereinigen.
(Denn, noch mal: Word ist kein Satzprogramm.)
Bitte verzichte auch unbedingt auf:
- Leerzeichen zum Einrücken
- generell mehrere Leerzeichen zum Ausrichten
- Leerzeilen statt Absatzabstände
- jegliche manuelle Formatierungen ohne Absatzvorlage
- Kopf- und Fußzeilen
Du glaubst vielleicht, deinem Buchsetzer damit Arbeit abzunehmen.
In Wahrheit machst du jedoch genau das Gegenteil.
Kleine Checkliste für dich vor der Abgabe in den Buchsatz
Geh dein Manuskript vor dem Versand an den Buchsetzer noch einmal durch und stelle sicher, dass du hierbei überall ein Häkchen setzen kannst:
☐ jeder Absatz ist einer Absatzvorlage zugewiesen
☐ kursiv und sonstige Auszeichnungen mit Zeichenvorlagen umgesetzt
☐ typografische Anführungszeichen einheitlich verwendet
☐ Gedankenstriche statt Bindestriche gesetzt
☐ Abkürzungen (wie z. B., u. a.) mit geschützten Leerzeichen versehen
☐ Zahlen und Einheiten mit geschützten Leerzeichen zusammengehalten
☐ typografische Auslassungspunkte aka Dreipunkt (statt drei Punkten) verwendet
☐ Inquit-Formel korrekt formatiert („Ich weiß“, sagte sie.)
☐ überzählige Leerzeichen entfernt (doppelte, am Absatzende, vor Komma, vor Punkt)
☐ keine Leerzeichen oder Tabulatoren zum Einrücken verwendet
Warum sich dieser kleine Aufwand lohnt
Wenn du die Punkte meiner Checkliste beachtest, erhöhst du die Qualität deines Manuskripts bereits erheblich.
Muss dein Buchsetzer all diese Dinge ohnehin kontrollieren?
Ja.
Macht es trotzdem einen Unterschied?
Absolut.
Je sauberer dein Manuskript vorbereitet ist, desto weniger Zeit fließt in vermeidbare Korrekturen – und desto mehr Aufmerksamkeit kann dein Buchlayouter in die Dinge investiert werden, die dein Buch besonders hochwertig machen: ein harmonisches Satzbild, saubere Umbrüche, eine stimmige Mikrotypografie und ein professionelles Leseerlebnis.
Kurz: Je besser die Qualität des Originalmanuskripts, desto besser das Endergebnis.
Oder anders gesagt:
Ein gutes Manuskript ist noch kein fertiges Buch.
Aber es ist die beste Grundlage dafür.
Kurz zusammengefasst
Ein professionelles Manuskript endet nicht bei korrekter Rechtschreibung und Grammatik.
Bereits während des Schreibens kannst du mit wenigen typografischen Standards die Qualität deines Textes deutlich verbessern.
Dann müsstest du nicht mal mehr einen Tag zur manuellen Überprüfung meiner Checkliste und dahingehenden Überarbeitung einbauen, ha!
Zu den typografischen Standards gehören unter anderem korrekte Gedankenstriche, die richtigen Anführungszeichen (deutsche oder französische oder eine Kombination daraus) sowie geschützte Leerzeichen bei Abkürzungen und Zahlen mit Einheiten.
Das erleichtert Lektorat, Korrektorat und Buchsatz – und sorgt dafür, dass dein Manuskript gleich beim ersten Kapitel den professionellen Eindruck hinterlässt, den es auch verdient.
Mit meinem Spickzettel und den gängigsten Tastenkombinationen kannst du ab heute dein neues Spiel in Word (oder in einem anderen Schreibprogramm) beginnen.
Je öfter du deine Finger mit den neuen Kombinationen trainierst, desto schneller wirst du sie intuitiv anwenden können. I can tell!
Word-Spickzettel für macOS
Mit diesen Tastenkombinationen erhöhst du die Qualität deines Manuskripts sofort – und dein Buchsetzer wird sich freuen. 🙂
| geschütztes Leerzeichen | ⌥ + ⇧ + Leertaste |
| Gedankenstrich (–) | ⌥ + – |
| Auslassungspunkte aka Dreipunkt (…) | ⌥ + . |
| typografische „Anführungszeichen“ | via AutoKorrektur oder ⌥ + ⇧ + W (öffnend) ⌥ + ⇧ + 2 (schließend) |
Profi-Tipp: Nutz diese Zeichen bereits beim Schreiben statt erst beim Buchsatz. So entsteht von Anfang an ein sauber formatiertes Manuskript, das sich wesentlich leichter weiterverarbeiten lässt.
(Ich hab z. B. bereits beim 10-Finger-Schreiben diese Kombinationen fix eingebaut – und tipp sie ganz intuitiv, ohne mehr nachzudenken.)
In diesem Sinne:
Uuund los, whoop whoop!


