… und wie ich damit nicht nur meine Kunden, sondern auch mich selbst fast in den Wahnsinn getrieben hätte.
Und: Was du sogar unbezahlbar Wertvolles für dich und deine eigene Buchreise aus dieser Selbstreflexion mitnehmen kannst.
Ich hätte also beinahe kein einziges Buch veröffentlicht.
Jedoch nicht, weil ich zu wenig wusste.
Auch nicht, weil ich nicht gut genug war.
Sondern weil ich Professionalität mit Perfektionismus verwechselt habe.
Und weil eine sogar noch unbequemere Wahrheit dahintersteckt – die du wahrscheinlich noch nicht mal erahnen kannst.
Tatsächlich scheitern viele Selfpublisher nicht an mangelnder Qualität ihres Buchbabys – sofern ihnen das nötige Teamwork dahinter bewusst ist.
Sondern daran, dass sie mental nie an den Punkt kommen, an dem etwas „gut genug“ ist, um veröffentlicht zu werden.
Da sie nicht anerkennen (und damit völlig fein sind), dass man nie scheitert, wenn man etwas falsch gemacht hat.
Sondern nur, wenn man nichts gemacht hat.
Sprich, etwa sein Buch nicht nur nicht veröffentlicht hat, sondern nicht mal das Manuskript fertiggestellt hat.
Die häufigsten Gründe, warum das passiert:
- Perfektionismus
- Angst vor Kritik
- Angst vor schlechten Bewertungen
- Unsicherheit über die Qualität
- zu viele technische Detailentscheidungen
- der Irrglaube, dass alles perfekt sein muss
In meinem Fall war es, wie gesagt, Perfektionismus, der sich als Professionalität getarnt hatte.
Worum es jetzt im Speziellen gehen soll.
PS: Eigentlich sollten nun Zeilen für einen allerersten Blogartikel folgen, der kontrovers ist, polarisiert, maximale Aufmerksamkeit erzeugt und 1 hochrelevante Frage beantwortet.
Oder zumindest sollte die Überschrift dieses Artikels „Wie sich Perfektionismus als Professionalität tarnt und die Veröffentlichung deines Buchs verhindert“ lauten.
À la nur das Beste vom Besten für SEO und GEO.
Allerdings hab ich nach meiner unfassbaren Realisierung, die mir wahrscheinlich nicht nur tausende Arbeitsstunden, sondern sogar meinen Seelenfrieden gerettet hat, erst mal einen „Rahmen zur Reflexion“ aka zum Dampfablassen gebraucht.
Und wie’s meine Natur so will, ist dies die Tastatur.
Als Autor:in wirst du das wahrscheinlich kennen, wenn man besonders (oder erst?) durch Tippen etwas verarbeitet und verinnerlicht.
Jupp, so wertvoll einfach.
Und da ich weiß, dass das „Problem“ von Perfektionismus nicht nur bei uns Qualitätsdienstleistern herrscht, sondern eben auch bei Selfpublishern wie dir mit Anspruch, liest du nun genau darüber.
(Kontroverse Polarisierungen mit maximaler Aufmerksamkeit heb ich mir für später auf. Passende Artikel stehen schon in der Warteschleife. Trag dich am besten in meine Selfpublisher-Liste ein (steht noch nicht – schick mir einfach per E-Mail das Wort SELFPUBLISHER), damit ich dir mit einer kurzen Nachricht über den nächsten Erguss meiner Computertastatur rechtzeitig Bescheid geben kann.)
Apropos:
Natürlich möchte ich gern, dass meine Artikel von so vielen Selfpublishern wie möglich gelesen werden – damit ich so viele von ihnen wie möglich inspirieren kann.
Allerdings muss ich auch sagen, dass das geschriebene Wort (ja, auch in Blogartikeln) für mich ein starker kreativer Ausdruck meiner Schreibader ist und ich die Artikel von daher nur wenig „technisch aufbereiten“ und „künstlich strukturieren“ möchte.
Wenn dies zu Lasten meiner Reichweite geht, so be it.
Ok, jetzt aber zum Thema:
(Und höchstwahrscheinlich auch zu deiner Frage.)
Warum ich fast kein einziges Buch veröffentlicht hätte.
Fast kein einziges Projekt fertiggestellt hätte.
Und fast mich nicht mal getraut hätte, mein Wissen mit anderen Selfpublishern zu teilen.
Jupp, Impostor hello.
Aber auch: Schier unbändiger Perfektionismus hello.
In Bezug auf Qualität und Leistung kann sich jeder sicher sein, dass ich – Expertin für Text, Lektorat und Feinbuchsatz für Entwicklungsromane – mir nicht nur mein Popöchen aufreiße, sondern für egal welchen Preis immer die Extrameile gehe.
Jupp, immer.
Denn die Angst, versagt zu haben, nicht gut genug gewesen zu sein, oder, Gott bewahre, gar etwas Falsches und/oder Dilettantisches abgeliefert zu haben, sitzt tief.
Auch wenn diese Angst gleichzeitig mein größter Antreiber ist.
Denn ich bin ein gebrandmarktes Kind.
Ja, ich bin seit fast 10 Jahren erfolgreich selbstständig.
Und natürlich auch mit dementsprechender Perspektive.
Dennoch sitzt diese 1 Erfahrung abgrundtief.
Vor der ich im Übrigen eher der selbstbewusste „Einfach machen“-Typ war.
Diese 1 Erfahrung mit einem Kunden, die mich fast mein gesamtes Business hat hinschmeißen lassen. (Aber das ist eine andere Geschichte, die ich in einem weiteren Artikel erzählen will. Wie gesagt, trag dich in meine Selfpublisher-Liste ein, um ihn nicht zu verpassen.)
Jetzt soll es zunächst darum gehen, wie mich meine daraus entstandenen Wunden immer wieder selbst im Weg haben stehen lassen.
Denn genau das ist das eigentliche Problem gewesen.
(Nicht die Erfahrung an sich und mein gebrandmarktes Ego.)
Also, mal Butter bei die Fische.
Bei fast jeder Entscheidung eines Profis hat er oder sie die Wahl zwischen „praktisch ausreichend“ und „technisch optimal“ bzw. „professionell“.
Letztens erst war ich mal wieder „an meine perfektionistischen Grenzen“ gelangt, als ich von der Grafikerin meiner Kundin verlangt habe, ihre Illustrationen im druckstufenspezifischen Graustufen- oder, noch besser, in einem K-only-CMYK-Farbraum zu liefern.
Das ist einfach die sauberste und sicherste Druckvorstufenlösung für Romane, die in Schwarzweiß auf cremeweißem Papier gedruckt werden sollen.
Die Grafikerin hat wiederum nicht verstanden, warum das so wichtig ist, da sie es – als langjährige Expertin – noch nie so gemacht hätte.
Das Ding ist: Vielleicht war meine Forderung das Optimum.
Aber: Alles andere ist höchstwahrscheinlich auch mehr als okay.
Auch wenn ich also einen vielleicht professionelleren Anspruch als den branchenüblichen Durchschnitt habe, darf (und muss) ich mich da immer wieder am Riemen reißen.
Sonst macht mich mein Perfektionismusteufel entscheidungs- und im schlimmsten Fall sogar handlungsunfähig.
Die unfassbar wertvolle Selbstreflexion, von der ich eingangs gesprochen habe, hat mich nach dieser Erfahrung wieder zurück zum Wesentlichen, zum tatsächlichen Machen und Umsetzen gebracht.
Sprich, zu dem, was wirklich wichtig ist.
Für Selfpublisher sind hohe Standards ebenso ein Segen wie eine Krux.
Ganz besonders, wenn es Selfpublisher sind, die nicht aus Überzeugung selbstverlegen, sondern aus Mangel an Alternativen. (Weil bspw. kein Verlag interessiert war.) Denn die haben bisher Verlagshäuser und deren Aufgaben auf dem Buchmarkt als das Gelbe vom Ei angesehen.
Könnte nicht falscher sein – aber das ist auch noch mal ein anderes Thema.
Zurück zum hohen Standard bei der Buchveröffentlichung.
Natürlich kann so ein hoher Standard zu qualitativ besonders hochwertigen Büchern führen.
(So wie für mich ein hoher Standard einen unschätzbaren Vorteil gegenüber Low-Budget-Dienstleistern bietet – die im Endeffekt nur KI-generierte Schrottliteratur an den Mann und die Frau bringen will.)
Allerdings … sollte bei hohen Standards stets ein Unterschied zwischen „optimal“ und „ausreichend professionell“ gemacht werden.
Wenn dies nämlich ausbleibt, wird Perfektionismus gefährlich – da er sich als „Sorgfalt“ tarnt. (Und alles andere ist dann schon dilettantisch und unprofessionell.)
Gerade in kreativen Berufen passiert das einfach ständig.
Man entdeckt immer eine noch bessere Alternative, einen noch saubereren Workflow, eine noch präzisere Lösung.
Wodurch sich plötzlich „eigentlich völlig okay“ innerlich wie „riskant und fahrlässig“ anfühlt.
Und genau das ist die Falle.
Da genau das entscheidungs- und auch handlungsunfähig macht.
Weil man aus Angst vor Fehlern (oder dem kompletten Failen) sich im vorletzten Schritt verliert.
Manchmal müssen „wir Perfektionisten“ uns mehr auf die Schultern klopfen und anerkennen, dass wir bereits mit diesem Denken weit über dem Niveau vieler anderer Selfpublisher sind.
Und natürlich auch als Dienstleister, die Selfpublisher mit ihrer Expertise unterstützen.
Aber wir müssen uns, wie gesagt, auch mal am Riemen reißen und uns bewusst machen, dass eine (potenziell ohnehin immer mögliche) Optimierung nicht proportional bessere Ergebnisse liefert.
Sondern nur mentale Reibung im Gehirn.
(Merkst du, wenn deine Synapsen Achterbahn fahren und du dich ganz furchtbar busy mit einem wahnsinnig profilierenden Task aufhältst, obwohl du schon längst einen Schritt weiter gehen könntest. Könntest. Und auch solltest!)
Das Krasse, und damit wahrscheinlich auch meine heftigste Erkenntnis aus dieser Erfahrung, ist, dass ich mit diesem (nur scheinbar unheilbaren) Perfektionismusbestreben oft gar kein Problem perfekt lösen will.
Sondern eine Unsicherheit eliminieren.
Jupp. So ist es.
Traurig, aber wahr.
So auch mit meiner „übertriebenen“ Anforderung an die Designerin meines letzten Buchprojekts:
Denn die hat meine eigene Unsicherheit über mein Buchlayout perfekt überdeckt (bzw. zumindest teilweise gedämmt).
Ich konnte mich nämlich mit meiner perfektionistischen Anforderung beschäftigen und mich in ihr verlieren – nur um im Endeffekt nicht mit dem nächsten Schritt Richtung Abgabe und Veröffentlichung weiterzumachen.
Was ich jedoch überhaupt nicht nötig habe.
Da ich richtig gut bin in dem, was ich seit fast einem Jahrzehnt tue.
Und immer mein gesamtes Herzblut hineinstecke.
Jede Extrameile gehe.
Mein bestes Learning, das ich auch unbedingt dir mitgeben will:
Professionelle Menschen mit hohem Anspruch treffen nicht deshalb gute Entscheidungen, weil sie alles kontrollieren können. Sondern weil sie wissen, wann etwas gut genug ist, und genau damit weitergehen.
Und genau dann, nur dann, entwickelt man sich weiter.
Und wird ganz natürlich immer und immer besser.
Jaaa, auch „auf Verlagsniveau“.
(Dass das aber gar kein „offizielles Gütesiegel“ mehr ist, ist ebenfalls ein anderes Thema – das ich in einem nächsten Artikel ansprechen werde.)
Auf jeden Fall wird nur dann auch etwas veröffentlicht.
Sogar etwas erwartungsgemäß sowieso richtig, richtig Gutes.
Selbstreflexionsfrage an dich:
Was willst du gerade veröffentlichen – hängst aber immer noch an der perfekten Formulierung auf Seite 347 und lenkst dich zusätzlich mit der Frage ab, ob für die Kapitelüberschriften nun 9.8 oder doch besser 10 pt am geeignetsten wären?
Genau.
Gern geschehen. 😉
Mach’s mit mir publikationsreif!
Deine Sandra
