Wie du dein Manuskript „Buchsatz-ready“ machst

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Sandra Huber

… damit dein Buchsetzer nicht Detektiv spielen muss.
Oder du selbst, haha.

Und: damit du dir so einiges an Geld und deinem Buchsetzer (oder dir selbst) so einiges an Zeit (und unnötige Interpretationsspielräume) (er)sparst.

Denn: Buchsatz ist keine Textrettung.

Du magst dich dafür wahrscheinlich fragen:

„Wie muss ich mein Manuskript konkret vorbereiten, bevor ich es in den Buchsatz gebe bzw. selbst setze?“

So viel schon mal vorweg:

Damit dein Buchsatz reibungslos funktioniert, braucht dein Manuskript keine schöne Formatierung, sondern eine saubere Grundlage.

Denn genau die kann darüber entscheiden, wie viele Stunden du (oder deine Buchsatzfee) einsparen kannst. (Ja, in Euro können das definitiv ein paar hundert sein.)

Und: Die meisten Autoren unterschätzen, was unsichtbarer „Meta-Müll“ wie (alte) Farbdefinitionen, direkte Formatierungen, lokale Overrides (direkte Formatierungen innerhalb bestehender Formatvorlagen) und vor allem Copy-and-Paste-Artefakte später alles anrichten kann.

Je sauberer dein Manuskript importiert werden kann, desto stabiler sind später die Druck-PDF/X und das EPUB.

Was wiederum der Qualitätsanker für ein professionelles und optimal lesbares Buch ist.

Falls du gerade auf der Suche nach einer schnellen Antwort bist:

Dein Manuskript ist dann Buchsatz-ready, wenn es inhaltlich fertig, lektoriert und korrigiert wurde und gleichzeitig technisch so sauber aufgebaut ist, dass der Buchsetzer ohne Aufräumarbeiten damit weiterarbeiten kann.

Konkret bedeutet das:

  • einheitliche Absatz- und Zeichenvorlagen
  • keine direkten Formatierungen –> kursiv, fett, Schriftgröße etc. über Absatz- und Zeichenvorlagen steuern
  • keine Tabulatoren, Leerzeichen oder Leerzeilen für Einzüge und Abstände missbrauchen
  • keine manuellen Silbentrennungen
  • korrekte, einheitliche Typografie
  • Änderungsverfolgungen vollständig annehmen und deaktivieren
  • erledigte Kommentare löschen
  • keinen Copy-and-Paste-Text einfügen, ohne ihn vorher bereinigt zu haben
  • das Manuskript nicht in Google Docs zwischenparken

Kurz gesagt:

Ein „Buchsatz-ready“ Manuskript muss nicht hübsch aussehen.
Es muss sauber aufgebaut sein.
Denn genau das spart später Zeit, Geld und jede Menge unnötige Interpretationsspielräume.

Gehen wir weiter zu den Einzelheiten:

Die wichtigste Regel vorweg

Beim Manuskript gilt (in a nutshell):
Inhalt ja – Gestaltung nein.

Dass das Manuskript vor dem Buchsatz lektoriert und final korrigiert wurde, muss ich, glaube ich, nicht extra betonen.

Falls möglich, kannst du die Manuskriptvorbereitung auch deinen Korrektor erledigen lassen.
Ein abschließendes Korrektorat brauchst du sowieso – lass dir einfach ein Angebot erstellen, das die Vorbereitungen einschließt, und entscheide dann, ob es dir den Preis wert ist oder du es selbst erledigst.

(Sollte natürlich ordentlich sein – sonst muss dir dein Buchsetzer das leider doch in Rechnung stellen.)

Was bedeutet „Buchsatz-ready“?

Vielleicht bist du gerade noch mitten im Schreibprozess.

Oder vielleicht hast du bereits das letzte Kapitel endlich vollendet und denkst dir, yay, endlich fertig!

Auch wenn es in diesem Artikel vordergründig nicht um Lektorat & Korrektorat gehen soll, muss ich hier kurz die Romantik rausnehmen.

Denn ein fertig geschriebenes Manuskript ist noch weit davon entfernt, in ein Layout gesetzt werden zu können.

Fertig geschrieben ≠
inhaltlich lektoriert ≠
stilistisch vereinheitlicht ≠
korrigiert ≠
Buchsatz-ready ≠
druckfertig

Long story short:

Nachdem du dein Manuskript vollendet hast, wird es zum Teamwork.
Denn 4 oder 6 Augen sehen nicht nur mehr, sondern sind für die notwendig hohe Qualität des Textes sogar unabdinglich.

Ein oder zwei Lektoren kümmern sich um den Roten Faden des Inhalts und dessen Stringenz sowie um den Sprachstil. (Er oder sie sollten ein thematisches und genre-mäßiges Match sein – ich persönlich würde bspw. niemals einen Krimi lektorieren.)

Ein Korrektor veredelt dann den Text – mindestens in Bezug auf korrekte Rechtschreibung, Grammatik und Zeichensetzung und Typografie  – für die beste Lesbarkeit, und deinen professionellen Anspruch.
Und, wie gesagt: auf Anfrage kümmert er sich parallel auch um die optimale Vorbereitung deines Manuskriptes.

(Hier gilt ebenso: Themamatches passen besser. Beispiel: Ich habe das Kochbuch „38 Indonesische Rezepte“ von Indojunkie korrigiert – was für jemanden ohne Indonesisch-Kenntnisse sehr viel schwieriger gewesen wäre.)

PS: Absolute Fehlerfreiheit gibt es übrigens nicht – auch nicht nach einem professionellen Korrektorat. Warum das so ist und welche Fehlertoleranzen selbst Verlage akzeptieren, ist sogar einen eigenen Artikel wert. Trag dich hier in meine Selfpublisher-Liste ein, damit du ihn nicht verpasst.

Nach diesem Dreierschritt „Kreieren, lektorieren, korrigieren“ kann das Manuskript theoretisch Buchsatz-ready sein.

Sofern sich jeder an seine Aufgaben hält.

Du ahnst es vielleicht schon:
Ist es aber leider nur in den seltensten Fällen.

Warum?

Weil in den meisten Fällen bereits beim Schreiben des Autors kreative Shenanigans passieren, die keiner in der Kette freiwillig (d. h. ohne konkreten Auftrag) geradebügelt.

Ein Beispiel. (Und nein, leider ist das nicht erfunden.)

Ein Autor startet voller Euphorie in Scrivener. Nach drei Kapiteln gefällt ihm die Software doch nicht mehr – also zieht das Manuskript nach Word um.
Dabei werden natürlich nicht alle Formatvorlagen sauber übernommen. Also wird hier und da manuell nachgebessert. Kursivsetzungen direkt formatiert. Einzüge mit Leerzeilen gebaut. Läuft.
Bis die Word-Lizenz ausläuft. Also weiter nach Google Docs. Ist ja kostenlos.
Der Lektor bekommt anschließend einen .docx-Export, arbeitet mit der Änderungsverfolgung in Word, der Autor importiert alles wieder zurück nach Google Docs, exportiert erneut, und schickt das Ganze an den Korrektor, der wiederum in Word Online arbeitet – wo das Dokument inzwischen bei jedem Seitenwechsel erst einmal eine kleine Denkpause einlegt.
Nach sechs Exporten und drei Programmen landet das Manuskript schließlich beim Buchsetzer. Genau solche Dateikarrieren sorgen jedoch dafür, dass der erst einmal Detektiv spielen muss, bevor überhaupt an Buchsatz zu denken ist.

Jupp, das sind Shenanigans. Vermeidbare.

Und es sind Horrorszenarien für den Buchsetzer, den letzten der „Kette“. I can tell.

Dinge, bei denen mein Buchsetzer-Herz (immer wieder) kurz aussetzt:

  • 7 verschiedene Schriftarten
  • 6 verschiedene Leerzeilenhöhen
  • 17 Leerzeichen hintereinander, um etwas einzurücken
  • Überschriften fett, unterstrichen und blau (obwohl für s/w-Roman)
  • Kapitelanfänge in extra Textrahmen
  • Änderungen aus drei Jahren (so etwas muss ich leider sofort zurückschicken, ist unbearbeitbar)
  • irrelevante Kommentare von Tante Monika
  • Copy-&-Paste aus WhatsApp

Mit so einer uneinheitlichen Vorgehensweise riskierst du nicht nur die gute Laune deines Buchlayouters, höhö, sondern auch die Qualität und Stabilität deines Buches.

Der Buchsetzer muss mit so einem Chaos nämlich alles als RTF exportieren und sämtliche Textauszeichnungen manuell nachholen.
Was natürlich Fehlerpotenzial birgt.
Und du, denke ich, auch nicht bezahlen willst, oder?

Okayyy, dann lass uns gleich von Beginn an ordentlich anfangen:

1. Einheitliche Absatz- und Zeichenvorlagen

Wenn du willst, dass dein Text später in etwa so aussieht wie in deinem Word-Dokument, dann musst du mit Absatz- und Zeichenvorlagen arbeiten. Insbesondere was die Absatzstrukturierung betrifft.

Nein, kein „wenn, dann“. Immer.

Was das im Umkehrschluss bedeutet:
Finger weg von direkten Formatierungen.

Klar kannst du, wenn dir das wichtig ist, bei Absätzen und Zeichen erst einmal mit manuellen Formatierungen herumprobieren.
Sobald jedoch ein Format steht, musst du genau das als ein Absatz- bzw. Zeichenformat definieren. Und dann natürlich auch stringent durch das gesamte Manuskript hinweg einheitlich verwenden.

Was hingegen immer Formatierungs-No-Gos sind, sind Leerzeichen oder Tabulatoren zum Einrücken und Leerzeilen als Abstand.
–> Einrückungen kannst du in deinen Absatzvorlagen festlegen – Abstände nach oben und nach unten findest du dort ebenso.

2. Einheitliche Typografie

Was du ebenfalls bereits zu Beginn festlegen solltest, sind typografische Eigenheiten für dein Manuskript.

Falls du das nicht zu Beginn festgelegt hast, halte im Laufe des Schreibens einfach fest, welche neuen Zeichen du verwendet hast, damit diese einheitlich angepasst werden können – wie bspw. Anführungszeichen.

Tipp:
Falls du z. B. weißt, dass du in deinem Schreibsystem unbewusst immer Zollzeichen bei Dialogen tippst, aber französische Anführungszeichen dafür haben willst, kannst du das in den automatischen Ersetzungen in Word festlegen.

Mach dich auch mit Standard-Typografie vertraut:

  • Wenn du eine deiner Figuren gedanklich stoppen lassen willst, drückt das nur der Gedankenstrich aus – kein Bindestrich.
  • Um unerwünschte (echt unschöne) Trennungen zu vermeiden, würde ich ebenfalls von Anfang an geschützte Leerzeichen verwenden, wo sie nötig sind. Denn die sind die einsamen Helden, die beim Export in fast jedes Programm erkannt werden (und man nicht manuell nachjustieren muss). Beispiele:
    • z. B.
    • S. 27
    • 12 km
    • § 15
    • Dr. Müller
  • Typografisch steht vor Gedankenstrichen und vor Auslassungspunkten übrigens standardmäßig ein geschütztes Leerzeichen – denn hier sollte kein Zeilenumbruch stattfinden.
  • Die Inquit-Formel solltest du ebenfalls korrekt anwenden.
    Beispiele:
    • „Heute ist es heiß“, sagte sie.
    • „Mir doch egal!“, entgegnete er.
    • »Willst du diesen komischen ›Poncho‹ trotzdem haben?«, fragte er zögerlich.

3. Absolute No-Gos

  • Komm bitte nicht auf die Idee, manuelle Silbentrennungen einzubauen. Wirklich nicht.
  • Nutze keine Farben – sondern maximal eine Zeichenvorlage mit dem Farbnamen – falls du deinen Roman in s/w drucken willst.
  • Verwende keine extra Textfelder.
  • Füge keinen unbereinigten Text via Copy-and-Paste ein. EGAL von wo. Webseiten, PDFs, andere Docs, ChatGPT etc.
    (Ausnahme: Du nutzt TextEdit und lässt den Text durch die „In reinen Text umwandeln“-Funktion bereinigen).
    Warum? Du kannst dir nicht vorstellen, was ein einziger Satz neben den Wörtern, die du sehen kannst, noch so alles hinter sich herzieht. Und genau das kann nicht nur wahnsinnig viel kaputtmachen, sondern sogar das gesamte Kartenhaus einstürzen lassen. (Jupp, alles schon gesehen.)

4. Kleine persönliche Meinung (mit voller Überzeugung) aka mein persönliches No-Go

Nutz kein Google Docs.

Denn: Ein Google Doc „gehört“ dir nicht. Wenn du die Datei weitergeben willst, musst du sie jedes Mal erst exportieren und in ein richtiges Dateiformat konvertieren. Immer wieder.
Falls du (aus Versehen) die „Datei“ (.gdoc ist gar keine Datei) aus deinem Google Drive heraus verschiebst, wird sie unwiderbringlich gelöscht. (Spätestens nachdem ich selbst einmal ein komplettes Manuskript in Google Docs verloren habe und nicht einmal der Google-Support es retten konnte, war das Thema für mich erledigt.)

Und von den ständigen Komprimierungen und anderweitigen Konvertierungen, die man mit „Google Docs“, weil sie keine „richtigen” Dateien sind, machen muss, will ich gar nicht erst reden.

Zum Schluss: Die 5-Minuten-PREP-Checkliste

Auch wenn du alle Tipps von oben von Anfang an berücksichtigst, können immer noch Fehler passieren – die du aber in einem letzten Schritt so gut wie möglich ausbessern kannst.

(Was ich leider ständig in Manuskripten zuhauf finde (und dann leider berechnen muss).)

Nimm also nach deiner Fertigstellung das Manuskript noch einmal zur Hand und geh diese PREP-Checkliste durch:

  • Natürlich kannst du Kommentare für den Buchsetzer im Manuskript belassen.
    Aber bitte nicht die 86 bereits erledigten vom Lektor.
  • Überprüfe im „Suchen & Ersetzen“-Feld Folgendes:
    • nach zwei Leerzeichen hintereinander suchen (␣␣)
    • Leerzeichen direkt vor einem Absatz suchen (Leerzeichen + Absatzmarke=^p]
    • Leerzeichen vor einem Komma/Punkt suchen
    • Leerzeichen vor einem Bindestrich suchen (und prüfen, ob eigentlich ein Gedankenstrich gemeint ist)
    • geschütztes Leerzeichen statt „normalem“ vor Gedankenstrichen ersetzen
    • bei Zitaten, mündlicher Rede etc. einheitliche Anführungszeichen verwenden
    • einfache Anführungszeichen innerhalb von wörtlicher Rede nutzen
    • geschütztes Leerzeichen vor Dreipunkt-Zeichen setzen

Tipp ganz zum Schluss:

  • Geh in deinem Manuskript-Dokument auf „Alle Änderungen annehmen“ – falls du optimalerweise während des Überarbeitungsprozesses bereits alle nicht gewünschten Änderungen abgelehnt hast.
  • Stelle sicher, dass keine offenen Revisionen mehr vorhanden sind.
  • Lösche alle gelösten Kommentare.
  • Lösche pot. Kopf- und Fußzeilen.
  • Deaktiviere die Änderungsverfolgung.

Mein wahrscheinlich wichtigster Rat

Ein gutes Manuskript ist nicht perfekt formatiert.
Es ist sauber aufgebaut.

Denn je weniger dein Buchsetzer noch aufbereiten oder gar rätseln muss, desto mehr Zeit bleibt für das, was wirklich zählt: einen wunderschönen Buchsatz.

Weiterer Vorteil:

Du überlässt deinem Buchsetzer sehr viel weniger wilden Interpretationsspielraum. Und dein Buch wird sehr viel ähnlicher wie das aussehen, was du in Word bereits festgelegt hast.

Und dann wird es (zum Beispiel von mir) publikationsreif gemacht, whoop whoop!

+++

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